Dienstag, 23. Januar 2018

Worauf man bei der Gestaltung eines Arbeitsblatts achten sollte...

Quelle: Pixabay (CC0)

Wenn man Aus-, Fort- und Weiterbildungen (egal ob als interne Firmenschulung oder im schulischen oder im Weiterbildungssektor) besucht, dann setzt man voraus, dass man Unterlagen mit nach Hause nehmen kann. Oftmals handelt es sich dabei lediglich um einen Ausdruck der gezeigten PowerPoint-Folien, was zwar nett ist, aber keine Grundlage für das Lernen sein kann (und damit meine ich Lifelong Learning im weitesten Sinne). Ich verweise hier gerne auf Garr Reynolds, der uns davor warnt Folumente (S. 70ff) zu erstellen, die a) die Präsentation ruinieren und b) für das Lernen an sich ungeeignet sind.

Präsentationen sollen ansprechen, es geht um die Präsentation und den Vortrag. Ich soll und möchte mich auf den Vortrag konzentrieren und nicht durch die Folien abgelenkt werden. Das passiert aber, wenn auf den Folien zu viel Text steht oder die Folien in ihrer Gestaltung eine Katastrophe sind. Ich werde dazu an anderer Stelle noch bloggen. Heute geht’s mir nämlich um die Lernressource, die ich mit nach Hause nehme: das Skriptum, Handout, den Handzettel, die Tischvorlage – die Unterlagen im weitesten Sinne (wie auch immer sie heißen). In der Didaktik sprechen wir hier oftmals von Arbeitsblättern (AB). Und hier lassen sich AB mit und solche ohne Aufgabenstellung unterscheiden. Eine genaue Auflistung und Unterscheidung findet sich auf der gleichnamigen Seite Arbeitsblatt des Grundschulwikis der Uni Frankfurt kompakt zusammengefasst.

Auf das Äußere kommt es an? Jein...

Wie sieht nun aber ein gutes Arbeitsblatt aus? oder auch: Was zeichnet ein gutes Arbeitsblatt aus? Das sind zwei zentrale Fragen, die man sich zu stellen hat. Implizit wissen wir ja vielleicht, was ein gutes Arbeitsblatt ist (wobei das „gut“ natürlich definiert werden sollte). Oftmals ist es aber eher so, dass wir ein schlechtes Arbeitsblatt als solches erkennen, ohne sagen zu können, was gut wäre. Entscheidend ist jedoch, dass das Auge mitisst und man auf den ersten Blick weiß, ob man mit diesem Blatt arbeiten möchte oder nicht. Das heißt nicht, dass der Inhalt nicht zählt. Der Inhalt steht an oberster Stelle, gleichzeitig muss aber auch das Formale – in diesem Zusammenhang das Design – passen.

Der Schlüssel zum Glück?

Hier also je sechs (plus eine) Kategorien, die sich als zentral empfinde

Quelle: Pixabay (CC0)

1. Inhalt

Der Inhalt steht an oberster Stelle – das ist selbstverständlich. Er muss korrekt, stimmig und klar formuliert sein. Dazu müssen auch die Quellen angegeben werden und nur solche verwendet werden, die auch verwendet werden dürfen. Zur allgemeinen Korrektheit gehört auch die gewählte

2. Sprache

Die Sprache muss zielgruppenorientiert, klar und verständlich sein. Sie muss aber vor allem korrekt sein – Rechtschreib-, Grammatik- und stilistische Fehler haben auf AB nichts zu suchen. Stattdessen ist es empfehlenswert, einige Elemente des Storytellings in die Erstellung aufzunehmen, einen roten Faden durchzuziehen und in graphischen und textuellen Elementen beizubehalten.


3. Dichte

Arbeitsblätter sollten zwar dicht, aber nicht gedrängt wirken. Für die eigenen Notizen sollte Platz sein, ebenso sollte eine gewisse Lockerheit erkennbar sein. Diese kann man erreichen durch die

4. Strukturierung

Ein AB sollte verschiedene Abschnitte haben, zentrale Elemente sollten herausgehoben werden – durch typographische Mittel (Schriftart, Schriftstil, Schriftgröße) oder auch durch Designelement, wie Merksatzboxen oder Hinweisboxen. Diese lenken den Blick. Auch Bilder und Graphiken lenken den Blick und sorgen für ein Look & Feel, wenn sie gut gewählt sind und nicht nur reinen Dekorationseffekt haben.

5. Zielorientierung

Beim Erstellen des Arbeitsblatts soll klar sein, ob es sich um ein Nachschlagewerk oder eine Lernunterlage handelt. Sollen die Lernenden durch kurze Übungen auch aktiviert und explizit zum Nachdenken angeregt werden oder soll es sich um ein Handbuch handeln, das rein der Information dient (ohne lenkende Fragestellungen)? Hier ist ein Blick auf die Zielgruppe hilfreich: Arbeite ich mit Lernenden, die es gewöhnt sind, zu lernen? Arbeite ich mit Multiplikatorinnen und Multiplikatoren, beispielsweise Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Office, die von ihren Vorgesetzten geschickt werden. Schließlich muss auch die Realisierungsform bedacht werden: Sollen die Unterlagen gedruckt oder nur digital verteilt werden? Diese Frage spielt wieder auf das Design zurück.


6. Design

Arbeitsblätter, die ansprechend gestaltet sind, laden zum Hin- und nicht zum Wegsehen ein. Ein gut gewähltes Bild (ob Foto oder Graphik, Tabelle oder Zeichnung) lenkt den Blick und schafft Konnotationen (wobei natürlich die Qualität zu bedenken ist). Die Größe und Art der Schrift sollte an das Zielpublikum angeglichen werden (bspw. Sehvermögen). Das Blatt sollte kein kunterbuntes Durcheinander darstellen, sondern ein roter Faden, wenn möglich ein wiederkehrendes Designformat sollte erkennbar sein. Man kann hier gleiche Symbole für einzelne Abschnitte verwenden oder auch ein einheitliches Farbschema.

6+ Offenheit

Kein absolutes Muss aber ein absolutes Wünschenswert bei der Erstellung von Arbeitsblättern ist eine Lizenzierung als Open Educational Resources. Sie lässt sich einfach mit Hilfe von OERhoernchen.de oder der Creative Commons-Seite durchführen. Hier werden alle notwendigen Elemente für eine saubere Attribuierung erstellt. Wo man Materialien zur Erstellung findet? Hierzu habe ich schon das eine oder andere Mal gebloggt. ;-)

Fazit

Allgemein gilt bei der Erstellung von AB: Weniger ist mehr! Und die Frage nach den Kopierkosten ist zwar eine, die aus der Praxis kommt, die aber aus Sicht der Mediendidaktikerin nur eine untergeordnete Rolle in der Gestaltung spielen sollte.

Andere Menschen - andere Perspektiven

Wie sehr aber die Meinungen auseinandergehen können, zeigen die vier Blogbeiträge der Studierenden, meines laufenden Fachdidaktikkurs an der Universität. Ihr Arbeitsauftrag galt dem Schreiben eines Blogposts, primär um das Format Blogpost zu lernen, das sie von ihren Schülerinnen und Schülern in der Sekundarstufe als Reifeprüfungsformat auch verlangen werden. Spannend ist, wie unterschiedlich die Beiträge ausgefallen sind. Wäre ich die Sprachlehrerin, ich würde die Beurteilung spannend nennen.

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